Achtung
Sie nutzen einen veralteten Browser, der von dieser Website möglicherweise nicht unterstützt wird. Wir empfehlen die Nutzung eines modernen Browsers.

Fichtennadelöl destillieren und verwenden

Beitrag vom 02.12.2015 10:46 Uhr

Kai Möller

 
   bei meinem letzten Waldspaziergang hab ich mich zuerst über die Forstwirtschaft aufgeregt. Bei uns in der Rhön wird brutal abgeholzt. Der Wald sieht stellenweise aus wie ein Kriegsgebiet. Es bleiben ganze Bäume auf den Waldwegen liegen, als Spaziergänger kommt man ohne klettern kaum daran vorbei. Ein Unding ...

... aber ich mag ja keine schlechte Laune, deshalb begann ich schnell das Gute an der Situation zu sehen. Ich erntete einige der schönsten jungen Fichtenholzzweige und entschied mir ein nervenstärkendes und beruhigendes Fichtennadelbad zu destillieren.

   In diesem Blogartikel zeige ich Ihnen wie ich das gemacht habe. Natürlich völlig legal mit einer 0,5 Liter Kolonnenbrennereiaus unserem Sortiment. 

 

    Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim lesen und vielleicht auch beim Nachahmen. Zunächst finden Sie aber erst einmal zwei Links zu unseren besten Destillen zur Herstellung von ätherischen Ölen, danach zeige ich Ihnen wie es geht ...

DESTILLATION VON FICHTENNALDELÖL UND HYDROLAT
  

   Zuerst wird geerntet. Am besten geeignet sind die feinen Zweige in Frühjahr wenn die hellen neu gewachsenen Spitzen zu sehen sind. Die Ernte selber ist unkompliziert, vor allem wenn der gefällte Baum bereits am Boden liegt und das Holz schon leicht antrocknen durfte. Die feinen Äste lassen sich leicht brechen, bündeln und transportieren.
 

Ernten und antrocknen!


Der Ertrag an ätherischen Ölen wird bei der Destillation etwas höher wenn die Nadeln nicht ganz frisch verwendet sondern vorher einige Tage antrocknen dürfen. Der Baum hier war genau richtig weil er schon ein paar Tage vorher gefällt wurde.
Wenn Sie frisch Ernten, dann lassen Sie die Zweige einfach noch 3 bis 7 Tage ruhen bevor sie sie zerkleinern. Gleiches gilt übrigens auch für Minze oder Lavendel. Durch das antrocknen treten die ätherischen Öle etwas hervor und lassen sich besser abdestillieren.
Die Fichtennadeln sollten im nächsten Schritt etwas zerkleinert werden ...

Fichtennadeln ernten

Zerkleinern


   Der Ertrag wird höher wenn wir eher die feinen und frischen Nadeln verwenden als das Holz, es darf aber Holz dabei bleiben. Umso kleiner Ihre Destille ist, umso feiner sollten Sie die Nadeln vom Holz trennen und schneiden.

   Ich habe hier fast nur die Spitzen der Fichtenäste verwendet und dazu seitlich etliche Nadeln abgeschnitten. Die Nadeln sollten vor allem bei der Verwendung kleiner Destillen alle mehrfach durchschnitten sein damit das Öl beim destillieren leichter austreten kann.

 Fichtennadeln zerkleinern
  

Destille befüllen und aufbauen


Im nächsten Schritt bereiten wir die Destille vor. Der Kessel wird zu drei vierteln mit Wasser befüllt und angeheizt. Die Kolonne füllen wir mit den Fichtennadeln. Um so mehr Nadeln wir einfüllen können, umso höher wird später der Ertrag.

Damit das Geistrohr nicht verstopft verwende ich zusätzlich etwas Kupfergewebe als Einlage. Dadurch kann ich den gesamten Innenraum der Kolonne bis in den Hut hinein befüllen.

Destille befüllen und aufbauen

Destillieren von Fichtennadeln


Damit die feinen ätherischen Duftöle nicht durch die Temperaturen beim Anheizen schon gelöst oder gar beschädigt werden, erlaube ich mir zuerst den Kessel anzuheizen und dann wenn das Wasser schon fast kocht die fertig befüllte Kolonnen aufzusetzen und den Kühler anzuschließen.

Warnung: Diese Handgriffe sollten vorher durchdacht werden, sonst könnte es gefährlich werden wenn sie mit dem kochenden Wasser im Brennkessel hantieren. Wenn Sie nicht sicher sind ob Sie die Destille routiniert zusammenstecken können, dann bauen Sie die Anlage lieber vorher schon auf und heizen erst dann ein.

Destillieren von Fichtennadeln

 

Mein persönlicher Aufbau:

 

   Ich verwende hier die elektrische Rommelsbacher Reisekochplatte zum Anheizen und habe das Kühlsystem mit dem Zubehörset und der dazugehörigen Pumpe angeschlossen. Auf dem Bild ist die Destillation im vollen Gange und die 350 ml Flasche schon gut gefüllt. Ich konnte etwa 300 ml stark duftiges Hydrolat und ein Milliliter obenauf schwimmendes Fichtennadelöl destillieren.
 
Wichtig:
   Sie sollten Ihre Destille am besten schon etwas kennen und den Aufbau vorher ausprobieren. Es gibt doch einiges zu beachten. Beispielsweise die Durchlaufmenge des Kühlwassers. Die Pumpe ist relativ stark und ich musste die Destille erhöht aufbauen um den Durchlauf zu vermindern. Das Kühlwasser sollte nicht schneller in den Kühler einlaufen als es auch wieder herauslaufen kann. Auch lässt sich so die Flasche besser unter die Destille stellen. 
 
Destillieren von Fichtennadeln

 

 Damit die Destille nicht versehentlich umfällt habe ich alle Schläuche an meinem Gasherd entlang geführt und teilweise etwas festgeklemmt. So steht die Destille fest und es kann nichts passieren. 
 
   Das wichtigste ist es aber eigentlich genau aufzupassen das Sie nicht die gesamte Flüssigkeit aus dem Kessel heraus destillieren. Der Kupferkessel sollte niemals trocken beheizt werden weil das Kupfer sonst überhitzen könnte. Wenn Sie etwa 400 ml Wasser eingefüllt haben, dann sollten sie nicht versuchen mehr als 300 ml heraus zu destillieren um Schäden an der Anlage zu vermeiden. 
 
   Falls Ihre Destille undicht ist entweicht ein Teil der Flüssigkeit in die Luft. Das sollten Sie auch beachten und immer etwas Teflonband zum Abdichten parat halten.
 
Destillieren von Fichtennadeln - Kühlsystem 

 FICHTENNADEL BADESALZ SELBERMACHEN

Fichtennadelöl und Hydrolat ist vielseitig einsetzbar. Der Duft befreit die Lunge bei Husten und Bronchialproblemen, wirkt aber auch stimmungsaufhellend, nervenstärkend und beruhigend. Es geht eben nichts über frischen Waldduft.
 
   Ideal lässt sich die entspannende Wirkung in einem Badesalz einfangen. Dazu geben Sie einfach das gesamte Destillat (Hydrolat mit dem obenaufschwimmenden ätherischen Öle) in eine Schüssel und lösen soviel Salz auf wir nur möglich. Am besten zusammen mit einigen Tropfen grüner Lebensmittelfarbe sowie einigen sehr fein geschnittenen zusätzlichen Fichtennadeln. 
 
   Wenn es nicht möglich ist mehr Salz zu lösen weil das ganze gesättigt ist, dann stellen Sie das ganze an einen Warmen trockenen Ort und trocknen Sie die Feuchtigkeit heraus. Das Salz wird grün, trocken und duftig und kann fein zerstoßen in kleine Gläser abgefüllt und als Badezusatz verwendet (oder verschenkt) werden.
 
   Ich wünsche Ihnen viele entspannte Momente und ein schönes Wochenende.
 
Mit geistvollen Grüßen Ihr 
Kai Möller
Fichtennadel Badesalz selbermachen

 

  MEINE EMPFEHLUNGEN:

passende Artikel