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Wasser & Wodka im Baltikum

Beitrag vom 03.09.2018 11:49 Uhr

Die Hitzewelle ist vorbei. Auch meine Sommerpause, die ich im kühlen Baltikum in Polen, Litauen, Lettland und Estland verbracht habe.  

 

 

In allen vier Ländern war es einfach, Spuren des hohen Alkoholkonsumes sowie der ruhmreichen Vergangenheit mit selbstgebranntem Wodka und Smakovkas zu entdecken.

Überrascht war ich, weil mir allerorts leckere Hausgebrannte angeboten wurden, mir aber niemand seine Destille zeigen wollte.

Wahrscheinlich ist das private Schnapsbrennen zwar überall üblich, aber wie bei uns verboten und vielleicht sogar mit wesentlich höheren Strafen belegt. Die sind bei uns in Deutschland nämlich gar nicht so schrecklich. In den meisten Fällen wird nur die Destille beschlagnahmt. Der Rest ist dann Steuerhinterziehung und wird je nach Menge der illegal gebrannten Alkohols unterschiedlich stark bestraft.

Kai Möller

In Polen war ich schon gleich am Anfang meiner Reise stark beeindruckt. Vor allem von der Menge unterschiedlicher Wodkasorten, die man hier kaufen kann.

Endlos lange Regale voll mit hochprozentigem und klarem Alkohol gehören hier zum Standard.

Auch die mit Wodka befüllten Wegwerfbecher an der Kasse vermittelten einen kleinen Vorgeschmack, in welche Richtung ich mich hier bewegte.

Wasser & Wodka im Baltikum
 
HALLOWEEN GUTSCHEIN 201811  
   
   

Litauen ist das Land mit dem höchsten Alkoholkonsum weltweit und auch in den anderen Ländern des Baltikums wird viel getrunken.

Das Bild rechts zeigt die Garage einer unserer Airbnb Wohnungen in Lettland. Auch das war eine Überraschung, zeigt aber gut, wie man im Baltikum mit Alkohol umgeht. Nämlich großzügig ;-)

Es gehört offensichtlich zur Gastfreundschaft, mit einem Fläschchen vom Selbstgebrannten (eines Bekannten) anzustoßen.

Wasser & Wodka im Baltikum

 Meine Eindrücke aus dem Baltikum

Die Alkoholsteuer liegt in allen Ländern des Baltikums ähnlich wie bei uns in Deutschland, es wird aber offensichtlich mehr getrunken.

Wobei, wenn man den offiziellen Statistiken glaubt, trinkt man in Estland deutlich weniger. Weniger als bei uns in Deutschland oder in Österreich zum Beispiel.

Die Politik scheint aufklären zu wollen und insgesamt zu versuchen, den Alkoholkonsum einzuschränken. Man findet reichlich Anti-Alkohol-Werbung sowie eine große Auswahl alkoholfreier Getränke.

Vor allem in Estland und Lettland scheint das zu funktionieren. Der durchschnittliche Alkoholkonsum pro Einwohner ist rückgängig.

Wasser & Wodka im Baltikum

Die Bilder hier stammen aus dem Smakovka Museum in Daugavpils. Auch dort ist man bemüht zu zeigen, wie schädlich der Alkohol sein kann, erzählt zugleich aber auch tolle Geschichten aus der Vergangenheit.

Im Gegensatz zum russischen Wodka darf Smakovka auch aus Brot gebrannt werden. Was man bei uns nur aus dem Gefängnis kennt, gehört in Lettland zur Kultur. Man stellt den edel in Fässern gelagerten Smakovka mit dem feinen Brotaroma heute stolz ins Regal neben die großen Whiskys, Brandys und Cognacs aus anderen Ländern.

Die Maschine aus dem nächsten Bild wurde speziell zum Einmaischen von Brot entwickelt.

Wasser & Wodka im Baltikum

Übrigens backen die in Lettland, ebenso wie in Litauen und Estland, hervorragende Brotsorten von weiß bis tiefschwarz, die unser beliebtes deutsches Brot leicht in den Schatten stellen.
Eine besondere Spezialität ist sicher das allgegenwärtige leicht süßlich malzige Roggenbrot, welches auch mit Knoblauch und Gewürzen in Öl frittiert einen köstlichen Snack abgibt.

Überhaupt scheint Brot ein wichtiger Bestandteil der baltischen Kultur zu sein. Auch das malzige Getränk Kvass wird aus fermentiertem alten Brot hergestellt.

Wasser & Wodka im Baltikum

Im Museum wird auch verraten wie man in Notzeiten noch einen Smakovka herstellen kann. Aus Erbsen oder Tomaten beispielsweise. Wegen des besseren Aromas sollte man aber lieber auf Getreide oder altes Brot zurückgreifen. Man nennt das hier Recycling, wenn altes Brot zu etwas Leckerem weiterverarbeitet wird.

Smakovka wird ohne Hefezugabe vergoren. Wenn es mal nicht gären wollte, dann hat man früher den Kopf einer toten Katze zur Maische gegeben. Der hatte sicher genug Hefekulturen, um das Gebräu zum Blubbern zu bringen.

Wasser & Wodka im Baltikum

Die Kunst ist es rechtzeitig zu destillieren. Man sagt eine Maische, die zu lange gärt, gibt kein Aroma mehr. Und destilliert man zu früh, so hat man zu wenig Alkoholertrag.

Ein guter Smakovka wird nach der Destillation über Kohle gefiltert und gelagert. Birkenholz gibt die beste Filterkohle. So sagt man - und wenn man dann verkostet, dann schmeckt das wirklich alles immer sehr gut. Trotz des Katzenkopfs.

Ob ein Smakovka wirklich gut ist, erkennt man, indem man ein paar Tropfen auf die Handflächen gibt und verreibt. Dann darf man daran schnuppern und wenn es nach Getreide und Brot duftet, dann ist der Smakovka gelungen und man darf ihn Freunden anbieten.

Es ist tatsächlich eine Kunst, das Brotaroma in den Vodka zu übertragen. Gerne würde ich es zu Hause versuchen ...

Wasser & Wodka im Baltikum

 

Im Süden Estlands, umgeben von Sanddorn, Vogelbeeren und Birkenwäldern, machten wir noch Bekanntschaft mit einer Kräuterfrau. Der Umgang mit den Heilkräften der Natur, ebenso wie mit ätherischen Ölen und Hydrolaten, ist hier noch selbstverständlich.

Die Destille hier steht in einer historischen Apotheke in Tallin, wo man mit stolz auch noch allerlei eher gruselige und skurrile Rezepte und Dinge aus der Vergangenheit zeigt und zugleich moderne Medikamente verkauft.

Von der getrockneter Fledermaus über das Pulver einer mumifizierten Hand wurde hier schon alles verkauft. Die Destille wurde einstmals benutzt, um destilliertes Wasser für die Apotheke herzustellen.

Wasser & Wodka im Baltikum

Auch die Miniatur-Destille aus diesem Bild stammt aus einer eher gruseligen Ausstellung in Tallin. Tallin ist insgesamt eine durch und durch sehenswerte Stadt mit vielen Besonderheiten, die ich mir gerne angesehen hatte, auch wenn ich normalerweise lieber einen großen Bogen um die Städte mache.

Noch gruseliger war es übrigens in dem Wissenschaftsmuseum Ahhaa in Tartu, wo wir zwar keine Destille entdecken, dafür aber allerlei mumifizierte oder in Formaldehyd eingelegte medizinische Unglaublichkeiten ansehen konnten.

Nichts für zart besaitete Gemüter. Die Bilder dazu erspare ich Ihnen lieber.

Wasser & Wodka im Baltikum

Viel angenehmer war die Möglichkeit, sich frisches Craft Bier in eine Flasche zum Mitnehmen zapfen zu lassen.

Klar, wer mit Getreide und Brot so gut umgehen kann, der kann auch gutes Bier brauen.

Ansonsten haben wir sehr leckeren Fisch entdeckt. Eingelegt, getrocknet, geräuchert. Egal. Das war immer lecker - genauso so wie der viele Quark, den es in verschiedenen Varianten und Abstufungen überall gab.

Wasser & Wodka im Baltikum

Für mich war es eine spannende Reise mit vielen neuen Geschmackserlebnissen und Eindrücken und fast tut es mir leid, Sie damit belästigen zu müssen.

Ich schreibe sonst ja keine Reiseberichte, sondern übers Destillieren.

Hoffentlich hatten Sie trotzdem etwas Spaß dabei.

Wasser & Wodka im Baltikum

 Schlusswort 


Vielen Dank für Ihr Interesse. Wir sind gerne für Sie da. Falls Sie Fragen haben oder uns besuchen möchten, sind Sie gerne eingeladen.

Wir starten in Kürze wieder unser Destilliermobil und freuen uns auf viele weitere spannende Erlebnisse aus dem Reich der Destillation und des Kochens in Kupfer.

Ihr Kai Möller & das Destillatio Team