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Alchemie & Spagyrik

Die alchemistischen Prinzipien in der Destillation

Alchemie ist heute noch (fast so) aktuell wie vor 500 Jahren und vor allem für Freunde der Destillation sicher einen tieferen Blick wert. Die Alchemie ist die Königsklasse für fortgeschrittene Destillateure. Sie können in der Alchemie auf höchst unterschiedliche Art und Weise destillieren und die Zustände des ursprünglichen Materials verändern. In der Alchemie geht es auch um Feinstoffliches und Spirituelles. Nicht alles ist belegt oder erfassbar.

Die Grenzen zwischen Wissenschaft, Spiritualität und Scharlatanerie in der Alchemie sind fließend. Es liegt an Ihnen ob Sie sich der Pflanzenalchemie (Spagyrik) widmen und höchst wirksame Heilmittel herstellen, oder ob sie sich lieber im Gold machen versuchen oder auf die Suche nach dem Stein der Weisen gehen.

Die Alchemie beschränkt sich selten nur auf ein Thema. Alles zusammen. Oben wie unten. Wir zerlegen in der Alchemie die Dinge in ihre Prinzipien, reinigen Sie von allem Ballast und fügen Sie am Ende neu zusammen. Solve y Coagula. Trenne und füge zusammen. Alle Dinge! Kräuter, Blüten, Gewürze, Wurzeln ebenso wie Holz, Stein, Metall, Fett, Blut, was auch immer. Auch Ihr eigenes Sein. Sie setzen die Grenzen. Alchemie ist auch ein Weg.

Garantiert höchst wirksam sind spagyrische Pflanzenelixiere. Nach der alchemistischen Auffassung besteht jede Materie immer aus den gleichen drei philosophischen Grundprinzipien. In der Pflanzenalchemie können wir jede Pflanze relativ unkompliziert in Ihre Bestandteile zerlegen. 

Sulphur (Schwefel)

Sulphur steht für die eigentliche Seele der Dinge. Sulphur, oder der Schwefel steht für das Wesentliche, das Bewusstsein, das Feurige und aktive Prinzip. Letztendlich ist der Sulphur in der Spagyrik das was den Charakter der Pflanze ausmacht. Das was wir von der Pflanze wahrnehmen. Ihr Wesen. Ihr Duft. Ihr Aroma, das ätherische Öl welches wie alle so lieben. 

Für ein vollwertiges spagyrisches Pflanzenelixier rauben wir der Pflanze zuerst ihre Seele!

Das geht über die Destillation ganz einfach, wenigstens wenn es sich um eine der stark ölhaltigen Pflanzen handelt. Mit einer der heute legalen 2 Liter Destillen kommen wir hier schon sehr weit. Eine Seele ist ein höchst feines Ding, manchmal ein kaum sichtbar, kaum ein Tröpfchen, aber wir können sie mit einer Destillation gut einfangen und isolieren. Nochmal: das kostbare ätherische Öl ist die Seele der Pflanze.

Merkur (Quecksilber)

Merkur oder (das flüchtige) Quecksilber symbolisiert das Prinzip des Lebens, den Geist, das flüchtige, das leicht zu verlierende ätherische ebenso wie das passive Gegenprinzip zur Seele.

Um den Lebensgeist einer Pflanze zu erhalten, müssen Sie die verbliebene Pflanzenwasser, also das Hydrolat wieder mit den Resten aus der Brennblase mischen und vergären. Am besten verwenden Sie hierfür einen großen Glasballon und vergären unter Zugabe von Zucker und Weinhefe. Im Ballon können Sie die Elemente erkennen: die Pflanzen mit dem Zucker geben das Element Erde, das Element Luft löst sich in Form von Gasen, Feuer wird durch die Wärmeentwicklung bei der Vergärung erkennbar und Wasser ist die Flüssigkeit.

In der Mitte dieser vier Elemente schwebt der Geist. Hier entsteht Alkohol, der Geist der Pflanze, der unseren Merkur darstellt. Das Lebensprinzip ziehen wir aus den Pflanzen, indem wir sie in Alkohol verwandeln. Aqua Vitae, das Wasser des Lebens. Den so gewonnen Alkohol müssen wir nun hochprozentig destillieren, also soweit als möglich vom Wasserüberschuss reinigen, bis nur noch das reine Lebenswasser, unser Merkur übrig bleibt.

Sal (Salz)

Unser drittes Prinzip ist das Salz. Das Sal steht für Materie im eigentlichen Sinne. Für das Feste, für den der Körper und es lässt sich aus den verbliebenen Pflanzenresten gewinnen. Hierzu sollten Sie nicht Ihre Destille benutzen, sondern lieber eine robuste Pfanne.

Geben Sie die Pflanzenreste aus der Brennblase mitsamt dem verbliebenem Wasser in die Pfanne und erhitzen Sie langsam aber stetig. Vor allem aber sehr lange. So lang, bis alles verbrannt und verkohlt ist. Erhitzen Sie weiter! Jetzt wird kalziniert, was im alchemistischen „Weißmachung“ bedeutet. Erhitzen Sie, bis sich nur noch Asche in der Pfanne befindet. Die Pfanne darf dabei aber auch nicht zu heiß werden. Bei 800 Grad können Salze, die Materie auf die wir es abgesehen haben, schmelzen. Lieber sehr lange weiterheizen, als das Ganze zu schnell und zu heiß werden zu lassen. Allmählich verwandelt sich alles in weiße Asche. Wenn sich die Farbe nicht weiter aufhellt, ist die Kalzination beendet.

Jetzt trennen wir als nächstes die wasserlöslichen von den wasserunlöslichen Salzen. Dafür geben wir etwa die dreifache Menge an destilliertem Wasser über die weiße Asche und rühren um.

Wenn gut gerührt wurde, hat sich das Salz im Wasser aufgelöst. Filtern Sie das Wasser ab. Um alle Salze aus der Asche zu bekommen, sollten Sie mehrmals die Asche mit destilliertem Wasser verrühren und filtern. Das Filtrat kommt zu der bereits gefilterten Flüssigkeit. Die wasserunlöslichen Salze finden sich im Filter wieder.

Die wasserlöslichen Salze sind im Wasser aufgelöst. Das Wasser dampfen Sie jetzt bei niedrigen Temperaturen in einer Pfanne ein. Am Ende bleibt der Körper der Pflanze die Salze übrig! Falls Ihre Salze nicht völlig weiß sind, dann war die Dauer der Kalzination nicht ausreichend. Niemand hat gesagt das Alchemie etwas für Ungeduldige ist.

Ganzheitliche Pflanzenelixiere

Wenn Sie die so in ihre Bestandteile zerlegten Pflanzen wieder zusammenfügen, den Sulphur auf das Sal gießen und den Merkur dazu geben, dann erhalten Sie alles was die Pflanze an Kraft zu geben hat in komprimierter, gereinigter Form. Einen hochwirksamen spagyrischen Extrakt.

Sie können nach den alchemistischen Prinzipien auch Essenzen, Tinkturen und Pflanzensteine herstellen und wir fragen uns ob man aufgrund der verbotenen Alkoholdestillation nicht schon das Hydrolat als Geist verwenden könnte. bedenken Sie, auch in früheren Zeiten war den alten Alchemisten nicht alles erlaubt und so mancher musste im Verborgenen wirken.

So oder so, Alchemie ist ein gangbarer Weg, aber nicht in wenigen Worten auf einer Homepage zu erklären.

Als weiterführende Literatur empfehle ich von M. Junius "Das praktische Handbuch der Pflanzenalchemie", das vermutlich beste aller spagyrischen Bücher und glücklicherweise seit einiger zeit im AT Verlag wieder neu aufgelegt.

Ähnlich aber auf "amerikanisch vereinfacht" und ein wenig unappetitlicher ist das Buch von Daniel Hornfisher "Löwe und Phönix".